🤔 TPE, TPU
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TPE und TPU

Was ist das fĂĽr ein Kunststoff

Wer schon einmal weiche Schuhsohlen, flexible Kabelummantelungen oder gummiartige Griffe an Werkzeugen angefasst hat, hat sehr wahrscheinlich bereits Kontakt mit TPE oder TPU gehabt. Diese Kunststoffe sind allgegenwärtig – und doch kaum bekannt.

TPE – Die grosse Kunststofffamilie

TPE steht für thermoplastisches Elastomer. Das klingt kompliziert, ist aber eigentlich einfach erklärt:

• Elastomer bedeutet: das Material verhält sich wie Gummi – es ist weich, flexibel und kehrt nach dem Dehnen wieder in seine ursprĂĽngliche Form zurĂĽck.

• Thermoplastisch bedeutet: es lässt sich durch Wärme schmelzen und neu verformen – genau wie normale Kunststoffe.

TPE vereint also das Beste aus zwei Welten: die Elastizität von Gummi und die einfache Verarbeitbarkeit von Kunststoff. Herkömmlicher Gummi muss vulkanisiert werden (ein chemischer Prozess mit Schwefel bei hohen Temperaturen) – das macht seine Wiederverwertung sehr schwierig. TPE braucht das nicht.

TPE ist kein einzelner Kunststoff, sondern ein Oberbegriff fĂĽr eine ganze Familie von Materialien:

AbkĂĽrzung

Vollname

Typische Anwendungen

TPU

Thermoplastisches Polyurethan

Schuhsohlen, Folien, Schläuche, Kabelummantelungen

TPE-S

Styrolbasiert (z. B. SEBS)

Griffe, ZahnbĂĽrsten, Spielzeug, Verpackungen

TPE-O

Polyolefinbasiert

Autoteile, Dichtungen, technische Bauteile

TPE-V

Vernetzt (z. B. Santoprene)

Hochwertige Dichtungen, Schläuche, Medizintechnik

TPA

Polyamidbasiert

Sportartikel, Ski-Schuhkomponenten

TPC

Polyesterbasiert

Technische Teile, Gehäuse, Verbinder

 

TPU – Das bekannteste Mitglied der TPE-Familie

TPU (thermoplastisches Polyurethan) ist der bekannteste und am häufigsten verwendete Vertreter der TPE-Familie. Es zeichnet sich durch besonders hohe Festigkeit, gute Abriebbeständigkeit und eine grosse Bandbreite an Härten aus – von sehr weich (wie Gummi) bis fast hart (wie eine Kunststoffplatte).

Man begegnet TPU täglich: in der Schuhsohle von Laufsportschuhen, in Handyhüllen, in Ski-Schuhen, in medizinischen Schläuchen oder in transparenten Schutzfolien für Lacke und Oberflächen.

Steckbrief: TPU

Vollständiger Name

Thermoplastisches Polyurethan

Rohstoffbasis

Polyol + Diisocyanat (erdölbasiert; biobasierte Varianten verfügbar)

Typische Härte

Von sehr weich (Shore A 60) bis hart (Shore D 70)

Erkennungszeichen

Weich, gummiartig, zäh, oft transparent oder milchig-weiss

Recycling-Code

Kein eigener Standard-Recyclingcode; oft als >TPU< oder Sonderkunststoff gekennzeichnet

Gehört zu LVP/Gelber Sack?

Nein – gehört nicht in die Haushaltssammlung

Typische Hersteller

BASF (Elastollan), Covestro (Desmopan), Huntsman, Lubrizol


Vorteile von TPU

  1. sehr gute Abriebbeständigkeit
  2. hohe Zug- und Reissfestigkeit
  3. breites Härtespektrum einstellbar
  4. beständig gegen Öle und Fette
  5. gute Kälteflexibilität
  6. transparent verarbeitbar
  7. Lebensmittelkontakt möglich (bestimmte Typen)
  8. Thermoplastisch: ohne Vulkanisation verarbeitbar

Nachteile von TPU

  1. hygroskopisch: nimmt Feuchtigkeit auf, muss getrocknet werden
  2. teurer als Standard-Kunststoffe
  3. empfindlich auf Hydrolyse (Wasser bei Wärme)
  4. kein eigener Recylcingcode --> erschwert die Sortierung
  5. schwer biologisch abbaubar
  6. bei Verbrennung: potentiell gefährliche Zersetzungsprodukte
  7. Mischbarkeit mit anderen Kunststoffen eingeschränkt


Steckbrief: TPE (Gesamte Gruppe)

Vollständiger Name

Thermoplastische Elastomere (Oberbegriff)

Untergruppen

TPU, TPE-S, TPE-O, TPE-V, TPA, TPC und weitere

Rohstoffbasis

Unterschiedlich: Polyurethan, Styrol, Polyolefin, Polyamid etc.

Erkennungszeichen

Weich bis mittelhakt, gummiartig, flexibel, federnd

Gehört zu LVP/Gelber Sack?

Nein – kein Standardrecyclingstrom für TPE

Vorteil vs. Gummi

Kein Vulkanisationsschritt nötig → einfacher rezyklierbar


Vorteile von TPE (Gesamte Gruppe)

  1. gummiartige Eigenschaften ohne Vulkanisation
  2. thermoplastisch verarbeitbar (Spritzguss, Extrusion)
  3. Grundsätzlich werkstofflich recyclierbar
  4. weitere Einsatzbereiche: Medizin, Automobil, KonsumgĂĽter
  5. ersetzt oft klassischen Gummi
  6. viele Typen biobasiert oder kompostierbar verfĂĽgbar
  7. kombinierbar mit Hartkunststoffen (2-Komponenten-Technik)

Nachteile von TPE (Gesamte Gruppe)

  1. sehr viele verschiedenen Untertypen - kaum sortenrein sortierbar
  2. kein einheitlicher Recyclingcode
  3. nicht in Haushaltssammlung (Kunststoffsammelsack)
  4. einige Typen inkompatibel miteinander
  5. erfordert spezialisierte Recycler
  6. Vermischung mit anderen Kunststoffen verschlechtert Qualität
  7. Qualitätsverlust bei mehrfachem Einschmelzen möglich


Fazit

Im Gegensatz zu Gummi, der nur sehr schwer oder gar nicht rezykliert werden kann, bieten TPE und TPU einen entscheidenden Vorteil: Sie sind thermoplastisch. Das bedeutet, sie lassen sich einschmelzen und zu neuem Granulat verarbeiten – vorausgesetzt, das Material ist sortenrein.

Im Kunststoffsammelsack ist TPE, TPU nicht erwĂĽnscht.