DIWASS – Überblick zur neuen EU-Regelung für digitale Abfallverbringung
1. Grundidee und rechtliche Grundlage
DIWASS steht für Digital Waste Shipment System und ist das neue zentrale IT-System der EU für die digitale Abwicklung grenzüberschreitender Abfalltransporte. EU‑Abfallverbringungsverordnung (EU) 2024/1157 bildet die rechtliche Grundlage.
Die Verordnung ersetzt die frühere Regelung Abfallverbringungsverordnung (EG) 1013/2006 und modernisiert das gesamte Genehmigungs- und Dokumentationssystem für Abfalltransporte in Europa.
Ziel der EU:
Digitalisierung der Abfallverbringung
bessere Kontrolle illegaler Abfalltransporte
einheitliche Prozesse zwischen Behörden
höhere Transparenz der Materialströme
2. Zeitplan der Einführung
| Datum | Bedeutung |
| April 2024 | Verabschiedung der neuen EU-Verordnung |
| 2025 | technische Durchführungsregeln beschlossen |
| 21. Mai 2026 | verpflichtende Nutzung von DIWASS |
Ab diesem Zeitpunkt müssen alle grenzüberschreitenden Abfalltransporte digital über DIWASS abgewickelt werden. Papierdokumente entfallen weitgehend.
3. Welche Transporte betroffen sind
DIWASS gilt für alle Abfallverbringungen innerhalb der EU und für Im-/Exporte mit EU-Bezug, insbesondere:
Abfälle mit Notifizierungspflicht
Abfälle der „grünen Liste“ (Annex VII)
sowohl Recycling- als auch Entsorgungstransporte
Beteiligte Akteure im System:
Abfallerzeuger
Händler / Makler
Transporteure
Recycling- oder Entsorgungsanlagen
Behörden aller beteiligten Länder
4. Wie DIWASS funktioniert
Digitaler Prozess (vereinfacht)
Registrierung im EU-System
Erstellung der Transportdokumente
digitale Einreichung bei Behörden
elektronische Genehmigung
Transport mit digitalem Begleitdokument
Bestätigung von Empfang und Verwertung
Alle Dokumente werden elektronisch erstellt, gespeichert und ausgetauscht.
5. Wichtigste Änderungen gegenüber heute
| Bisher | Neu mit DIWASS |
| Papier-Begleitformulare | vollständig digital |
| Kommunikation über mehrere Behörden | zentrale Plattform |
| langsame Genehmigungsprozesse | digitale Workflows |
| begrenzte Transparenz | vollständige Nachverfolgbarkeit |
Die EU erwartet dadurch effizientere Abläufe und bessere Kontrolle illegaler Transporte.
6. Auswirkungen für die Recyclingbranche
Allgemeine Auswirkungen
1. Digitalisierungspflicht
Recyclingunternehmen müssen:
IT-Systeme anpassen
Mitarbeiter schulen
interne Dokumentationsprozesse digitalisieren
2. höhere Transparenz
Alle Transporte werden nachvollziehbar:
Herkunft
Transportkette
Verwertungsanlage
Abschluss der Behandlung
3. stärkere Kontrolle durch Behörden
Behörden können Transportdaten schneller prüfen und analysieren.
7. Spezifische Auswirkungen für Schweizer Recyclingunternehmen
Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, aber Teil vieler europäischer Abfallströme. Deshalb entstehen besondere Auswirkungen, wenn z. B. Schweizer Kunststoffabfälle in Deutschland verwertet werden.
7.1 Nutzung von DIWASS indirekt erforderlich
Auch Unternehmen außerhalb der EU müssen mit dem System arbeiten, wenn sie:
Abfälle in die EU exportieren
Abfälle aus der EU importieren
Die Dokumente müssen elektronisch an DIWASS übermittelt werden; alternativ erfolgt der Datenaustausch über Behörden oder Schnittstellen.
7.2 Mehr administrative Anforderungen
Für Schweizer Exportströme bedeutet das typischerweise:
digitale Notifizierungen
elektronische Annex-VII-Dokumente
Registrierung von Anlagen und Akteuren
digitale Transportbestätigungen
7.3 Auswirkungen auf Kunststoffrecycling (CH → DE)
Positiv
bessere Transparenz über Materialströme
schnellere Kommunikation mit Behörden
langfristig weniger Papier und weniger Fehler
Herausfordernd
höherer administrativer Aufwand zu Beginn
Anpassung der IT-Systeme
mögliche Verzögerungen in der Einführungsphase (System noch im Aufbau)
Branchenverbände warnen aktuell, dass technische Voraussetzungen teilweise noch fehlen und eine Übergangsphase nötig sein könnte.
8. Strategische Bedeutung für Kunststoffrecycling
Gerade für Kunststoffrecycling kann DIWASS mittelfristig wichtige Effekte haben:
1. bessere Materialnachverfolgung
Recyclingströme werden dokumentiert:
Herkunft
Menge
Qualität
Verwertungsanlage
2. Unterstützung von ESG- und Nachhaltigkeitsnachweisen
Die Daten können genutzt werden für:
CO₂-Reporting
Recyclingquoten
Nachweis der stofflichen Verwertung
3. mögliche Marktbereinigung
Illegaler Export oder zweifelhafte Verwertungswege werden schwieriger.
9. Praktische Vorbereitung für Unternehmen
Unternehmen, die grenzüberschreitend Abfälle transportieren, sollten:
DIWASS-Registrierung prüfen
Schnittstellen zu ERP-Systemen vorbereiten
digitale Dokumentenprozesse einführen
Mitarbeiterschulungen durchführen
Abstimmung mit Behörden und Recyclingpartnern
10. Fazit
DIWASS ist eine der größten Veränderungen in der europäischen Abfallwirtschaft der letzten 20 Jahre.
Ab Mai 2026 wird die grenzüberschreitende Abfallverbringung vollständig digital abgewickelt.
Für Schweizer Kunststoffrecycler mit Verwertung in Deutschland bedeutet das:
neue digitale Prozesse
mehr Transparenz über Materialströme
anfänglich mehr Administration, langfristig effizientere Abläufe.
andere Quellen: Implementation of the Waste Shipment Regulation - European Commission