Diese Woche wurden politische Weichen neu gestellt.
Der Bundesrat hat am 24. Juni 2026 neue Regeln für Verpackungen, Abfälle und Littering beschlossen. Damit wird ab 2027 der Rahmen für eine schweizweit flächendeckende und koordinierte Sammlung von Kunststoffverpackungen und Getränkekartons geschaffen.
Das ist ein wichtiger Schritt.
Rund 15 Jahre nach dem ersten gezielten Start einer Sammlung von Haushaltskunststoffen im Kanton Uri kann die Sammlung in der Schweiz nun einfacher weiterentwickelt werden. Weiterhin freiwillig. Ohne Sammelpflicht. Aber mit besseren Voraussetzungen.
In der Vergangenheit waren unterschiedliche lokale Vorgaben und Bewilligungsfragen vielerorts ein Hemmnis. Nicht überall konnte der Bevölkerung ein einfaches Angebot gemacht werden. Diese Lücke kann nun schrittweise geschlossen werden.
Wir sollten Kunststoffsammlung nicht missionarisch betreiben. In der Schweiz funktioniert die Entsorgung über Kehrichtverbrennungsanlagen grundsätzlich gut. Restabfall wird energetisch verwertet. Daraus entstehen Strom, Wärme und teilweise Prozessenergie.
Trotzdem ersetzt die Verbrennung kein stoffliches Recycling, wo dieses technisch und ökologisch sinnvoll möglich ist.
Kunststoffe basieren überwiegend auf fossilen Rohstoffen. Die Herstellung der Grundstoffe ist energieintensiv und Teil globaler Lieferketten. Deshalb ist es sinnvoller, Kunststoff mehrfach zu nutzen, statt ihn nach einmaligem Gebrauch zu verbrennen.
Auch das Littering wird konsequenter angegangen. Mit schweizweit einheitlichen Bussen. Das ist wenig romantisch, aber nötig. Die beste Sammlung nützt nichts, wenn Abfälle nicht in den vorgesehenen Abfalleimern oder Sammelsystemen landen.
Die neuen Zielwerte sind anspruchsvoll. Für Einwegverpackungen aus Kunststoff gilt eine Verwertungsquote von 55 Prozent. Für Getränkekartons sind es 70 Prozent.
Wichtig ist die genaue Einordnung: Diese Quote bezieht sich auf das Gewicht der in der Schweiz in Verkehr gebrachten Verpackungen. Gemeint ist der Anteil, der nach Sortierung und allfälligen weiteren Prozessschritten als Input in eine Recyclinganlage gelangt.
Das ist ambitioniert. Auch mit angepassten Fristen.
Umso wichtiger ist, dass die verschiedenen Sammelkanäle künftig gut aufeinander abgestimmt sind.
RecyPac und der RecyBag schaffen zusätzliche Rückgabemöglichkeiten und erschliessen neue Mengen. Gleichzeitig bleiben öffentliche Sammelstellen, Recyclinghöfe, private Anbieter, Detailhandel und etablierte Sammelsack-Systeme wichtige Bestandteile der Infrastruktur.
Entscheidend ist eine Lösung, die für Bevölkerung, Gemeinden, Zweckverbände, Sammelstellen und Recyclingbetriebe einfach funktioniert.
Das ist wichtig. Denn Sammeln muss in den Alltag passen.
Die einen nutzen kleinere Säcke mit 17 oder 35 Litern, die im Detailhandel gekauft und zurückgegeben werden können. Andere bevorzugen 60- oder 110-Liter-Säcke. Diese eignen sich für regelmässige Fahrten ins Recyclingzentrum oder zur Sammelstelle. Zusammen mit Papier, Karton, Glas, PET-Flaschen und weiteren getrennten Abfällen.
So entsteht ein flexibles System. Nicht für alle gleich. Aber für viele passend.
Für Kunststoffsammelsack Schweiz GmbH ist diese Entwicklung keine neue Theorie. Wir arbeiten seit Jahren mit Gemeinden, Recyclinghöfen, privaten Sammelstellen, Zweckverbänden und Logistikpartnern zusammen.
Kunststoffsammelsack Schweiz ist Teil der bestehenden Sammelinfrastruktur. Über den VSPR sind solche Systeme koordiniert und zertifiziert. Das ist wichtig für Qualität, Vergleichbarkeit und Vertrauen.
Entscheidend ist für uns nicht nur, dass gesammelt wird. Entscheidend ist, dass die Materialflüsse nachvollziehbar bleiben.
Sammlung ohne Transparenz schafft kein Vertrauen.
Genau diese Transparenz wird nun auch regulatorisch wichtiger. Die neue Verpackungsverordnung sieht zusätzliche Berichtspflichten, Kennzahlen und Datenmeldungen vor. Sortier- und Recyclingunternehmen müssen Stoffströme künftig noch klarer ausweisen.
Das ist richtig. Die Bevölkerung will wissen, was mit dem gesammelten Material geschieht. Gemeinden und Partner ebenfalls.
Mit Vogt Plastic in Rheinfelden haben wir dafür einen langjährigen Verwertungspartner nahe an der Schweizer Grenze. Die gesammelten Kunststoffe werden dort sortiert, getrennt und zu Rezyklaten aufbereitet.
Der Standort Rheinfelden reduziert Transportwege und erleichtert die Zusammenarbeit. Gleichzeitig profitieren wir von einer Anlage, die auf gemischte Haushaltskunststoffe spezialisiert ist.
Auch komplexere Kunststoffströme können dort verarbeitet werden. Dazu gehören dunkle Kunststoffe, kombinierte Materialien oder ineinandergesteckte Verpackungen. Die Aufbereitung erfolgt über mehrere technische Schritte, unter anderem Zerkleinerung, Sortierung, Dichtetrennung und Extrusion.
Volumenmässig können 70 bis 80 Prozent des gesammelten Kunststoffanteils wiederverwertet werden. Gewichtsmässig entstehen daraus rund 55 bis 60 Prozent Zielpolymere wie PE, PP oder PS.
Ein relevanter Restanteil bleibt heute nicht stofflich verwertbar. Er wird thermisch genutzt, etwa in Schweizer Kehricht- oder Zementwerken. Dort kann er fossile Energieträger wie Kohle oder Öl ersetzen.
Dieser Anteil muss sinken. Das entscheidet sich aber nicht nur in der Sortierung. Es beginnt beim Verpackungsdesign.
Nicht alles, was heute auf den Markt kommt, ist recyclingfähig. Hier sind die Inverkehrbringer gefordert. Besseres Verpackungsdesign ist kein Nebenthema. Es entscheidet darüber, wie viel Recycling tatsächlich möglich wird.
Auch der Einsatz von Rezyklaten wird wichtiger. Produkte mit hohem Recyclinganteil sehen nicht immer aus wie Neuware. Sie können dunkler werden. Vielleicht gibt es künftig auch weniger weisse Kehrichtsäcke, dafür mehr Säcke mit hohem Recyclinganteil.
Das wäre kein Qualitätsverlust. Es wäre ein sichtbarer Teil der Kreislaufwirtschaft.
Ich bin überzeugt: Die gemischte Sammlung von Haushaltskunststoffen ist ein pragmatischer Weg. Ohne Pflicht. Aber mit einem guten Angebot für alle, die sammeln möchten.
Die Sammlung funktioniert nur, wenn Bevölkerung, Gemeinden, Detailhandel, Recyclinghöfe, Logistik und Verwertung ineinandergreifen.
Mein Dank gilt allen Personen, die sich über Jahre mit diesem Thema befasst und Lösungen für einen kreislauffähigen Umgang mit Kunststoffen erarbeitet haben.
Ivo Baldini, Kunststoffsammelsack Schweiz GmbH